Monatsspruch Juni 2018

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Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

                                                                              Hebräer 13,2

Liebe Gemeinde!

Gastfreundschaft ist in der Bibel ein hohes Gut. In Hebräer 13 schreibt der Verfasser den Lesern wichtige seelsorgerliche Wegweisungen ins Stammbuch. Mir fällt auf, dass die Erinnerung an die Gastfreundschaft sogleich nach dem Aufruf folgt: Bleibt fest in der brüderlichen Liebe (Vers 1).

Was mich bei der Erinnerung an die Gastfreundschaft überrascht, ist die Begründung an dieser Stelle: …denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.  – Ich finde das ist eine bemerkenswerte Begründung für so etwas Irdisches und  Soziales wie  Gastfreundschaft. Sicherlich gibt es auch ganz andere Gründe: Etwa die Not, die Hilfsbedürftigkeit eines Menschen, oder die Humanität, die Menschlichkeit: „Refugees welcome!“ (Flüchtlinge willkommen!) Manchem genügt auch ein „Das-gehört-sich-so!“, wie es uns die Eltern lehrten.

Der Monatsspruch begründet es völlig anders: Ich höre heraus, dass er argumentiert: „Die Gäste könnten ja Engel sein, ohne dass ich es merke!“ Was ist das für ein Denkansatz! Der ist spannend: Hier ist der Ansatz weder bei der Not, der Bedürftigkeit des andern, noch bei unserer Sitte oder Moral. Sondern hier finde ich eine völlig andere Ausrichtung: „Es könnten Engel sein!“ Engel sind keine hilflosen Wesen, sondern sie sind Boten Gottes. Das ist ein ganz neuer Blick: Da bin nicht ich der Gönner, der sich herablässt, um dem armseligen Gast Almosen zu spenden. Da bin ich der Empfangende, dem der Bote Gottes begegnet, der mich segnet und mir Botschaft von Gott vermittelt. Ich finde diese Sichtweise bemerkenswert, ja, sie spricht mich an und fordert mich heraus. Manchmal finde ich, ist auch ein Gastgeber ein Engel, was ich hoffentlich bemerke. Vielen Dank, ihr lieben Gastgeber!

So wünsche ich Gastgebern und Gästen „eng‘lische“ Begegnungen!

Euer Heinz Vitzthum